Au Pair in Amerika: Die ultimative Reiseerfahrung

Au Pair in Amerika: Die ultimative Reiseerfahrung

Nach dem Abitur oder einem beendeten Studium, weiß man manchmal nicht so recht, wie es jetzt weitergehen soll. Studieren? Ausbildung? Arbeiten? Hört sich vernünftig an – wenn man weiß, was mach möchte! Doch wenn du noch Zeit brauchst, herauszufinden welchen Weg du in Zukunft gehen möchtest, ist Reisen eine wunderbare Möglichkeit in der Zwischenzeit neue Länder und Kulturen kennenzulernen, während du auch dich selbst findest. Als frischer Abiturient (oder auch dauer-pleiter Student) ist die Finanzierung einer monatelangen Reise nicht gerade einfach – so ging es auch mir.

Ich bin Ray, Ex-Au Pair in Amerika und seit wenigen Wochen nun auch Bachelorette of Arts. Nach dem Abitur habe ich mich zu einem Auslandsjahr in den Staaten entschieden – als Au Pair. Auch auf die Gefahr hin von einigen unter euch jetzt verurteilt zu werden, muss ich gestehen: Der Hauptgrund meiner Entscheidung war nicht, dass ich Kinder so mag (was ich tue), sondern die Möglichkeit die USA zu entdecken. Babysitten kann man schließlich auch zu Hause.

Im Folgenden wirst du erfahren, wie der Bewerbungsprozess abläuft, wie die Ankunft und der Alltag in den USA aussah und schließlich alles zu meinen Reisen.

Voraussetzungen und Bewerbung

Um dich als Au Pair in den USA bewerben zu können, musst du wissen, dass du dies nur mit Hilfe einer Organisation machen kannst. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, in denen du in verschiedenen Online-Foren direkt in Kontakt mit Gastfamilien treten kannst, ist dies in den USA strikt verboten. Natürlich vermitteln dich diese Organisationen nicht nur für ein Lächeln und ein Danke an die Familien, aber bevor du dich über die Kosten ärgerst: Es hat deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Du kannst sicher sein, dass die Familien von der Organisation besucht und interviewt wurden, das heißt, die Gefahr eines Betrugs ist ausgeschlossen. Des Weiteren hast du immer einen Ansprechpartner, wenn du ein Anliegen hast. Ich persönlich habe mich damals für AIFS – Au Pair in America entschieden, da sie drei verschiedene Programm-Optionen angeboten haben. Nimm dir aber vorab Zeit und vergleiche so viele Organisationen wie möglich, um die richtige für dich zu finden.

Egal für welche du dich letztendlich entschiedest, die folgenden Kriterien musst du in jedem Fall erfüllen:

  • Mindestens 18 Jahre (zum Zeitpunkt des Programmbeginns)
  • Referenzen für mindestens 200 Stunden Kinderbetreuung
  • Gültiger Reisepass
  • Gültiger Führerschein (und internationaler Führerschein zum Zeitpunkt der Ausreise)

Das AIFS Au Pair-Programm ist ausschließlich auf weibliche Interessenten ausgelegt, jedoch bietet beispielsweise Cultural Care jungen Männern auch die Möglichkeit, als Au Pair in den USA zu gehen.

Der Bewerbungsprozess variiert von Organisation zu Organisation, doch grundsätzlich läuft es so ab:

  1. Onlinebewerbung auf der Website deiner Organisation
  2. Persönliches Gespräch mit einem Mitarbeiter (nicht bei jeder Organisation)
  3. Hochladen der nötigen Dokumente: Polizeiliches Führungszeugnis, Gesundheitszeugnis, Referenzen
  4. Gestalte einen Brief und ein Video für dein Onlineprofil, um Gastfamilien einen Eindruck von dir zu geben (sei kreativ!)

Sobald du mit deinem Onlineprofil zufrieden bist, wirst du für Gastfamilien in den USA freigeschaltet – und wenn du ihnen gefällst, benachrichtigt dich die Organisation und setzt euch in Kontakt. Und ab hier liegt es einzig und alleine bei dir und den Familien. Könnt ihr euch gut unterhalten? Sind sie sympathisch? Könntest du dich wohlfühlen? Du wirst garantiert mehrere Familien kennenlernen, also habe nicht das Gefühl, du müsst direkt die erste nehmen, wenn es nicht 100-prozentig passt! Rede mit mehreren und stell so viele Fragen wie möglich, schließlich wirst du für mindestens ein Jahr Teil ihrer Familie sein. Fragen die du auf jeden Fall stellen darfst und auch solltest sind:

  • Welche Aufgaben fallen in deinen Aufgabenbereich?
  • Wie sieht der Alltag aus und was sind die Abläufe?
  • Gibt es spezielle Dinge, die du bei einem der Kinder / den Kindern beachten musst?
  • Kannst du Besuch empfangen (wichtig, falls du einen Freund / eine Freundin hast)?
  • Wenn die Familie verreist, hast du frei oder reist du mit?

Wenn du Interesse an einer Familie hast und nicht das erste Au Pair der Familie wärst, frag auf jeden Fall, ob du per E-Mail, Skype oder Facebook mit dem Vorgänger-Au Pair reden kannst. Ihr oder ihm kannst du dann alle Fragen stellen, die du dich vielleicht nicht traust der Familie zu stellen. Außerdem ist es der beste Weg zu erfahren, wie ein Leben dort wirklich aussieht. Wenn es dann von beiden Seiten passt, ist es ein MATCH! YAY!

Ankunft und Orientation

AIFS-Orientation Days 2011 in Stamford, Connecticut

Nach dem Match übernimmt wieder die Organisation und vereinbart mit dir und der Familie den besten Zeitpunkt deiner Anreise. Sowohl Hin- als auch Rückflug werden von den Gastfamilien gezahlt (Vorteil Nr. 1). Nach deiner Ankunft geht es nicht direkt zu der Gastfamilie, sondern jede Organisation hat sogenannte „Orientation Days“, für alle Au Pairs, die am selben Tag in den USA ankommen. Während dieser Tage werdet ihr in einem Hotel untergebracht und besucht jeden Tag Vorträge als Vorbereitung auf das bevorstehende Jahr – dies ist wichtig, um Missverständnissen vorzubeugen und kulturelle Unterschiede zu verdeutlichen.

Das erste Mal in NEW YORK ♥️

Es gibt natürlich auch aufregendere Dinge, als Vorträge: Die Orientation Days von AIFS fanden in einem Hotel in Connecticut statt, weshalb  ein Programmpunkt unsere erste Sightseeing-Tour in New York war… ich erinnere mich genau, wie ich mich gefühlt habe. Mein neues Zuhause für ein Jahr! Doch natürlich war New York (oder Umgebung) nicht für jeden die Endstation, viele haben ihre Gastfamilien erst nach einem Inlandsflug kennenlernen dürfen. Für mich war es nur eine Busfahrt über den Hudson nach New Jersey.

Alltag und Reisen

Der Au Pair-Alltag hängt natürlich von jeder Familie ab. Da ich kein „normales“ Au Pair war, sondern ein EduCare (weshalb ich mich für AIFS entschieden habe), waren meine Kinder bereits im Schulalter, was bedeutet, dass mein Alltag war ganz klar durch die Schule strukturiert war. Sowohl Au Pairs als auch EduCares dürfen eine bestimmte Stundenanzahl pro Woche nicht überschreiten, es hängt jedoch von der Familie ab, wie sie sie einteilen. Das heißt du kannst Glück haben und jedes Wochenende frei haben, wenn die Stunden bereits unter der Woche aufgebraucht wurden, oder du musst – wie die meisten – auch mal am Wochenende Babysitten, wenn deine Gasteltern Datenight haben.

„Arbeit“ 😜

Vorteil Nr. 2 des Au Pair-Daseins: Wöchentliche Bezahlung! Vermutlich kann man mit der Familie abmachen, ob es wöchentlich oder monatlich sein soll, doch in der Regel erhältst du dein Taschengeld am Ende der Woche, was zwischen 140 USD und 250 USD beträgt. Da du bei deiner Gastfamilie wohnst und auch mit ihnen essen kannst, wenn du möchtest, sparst du dir einiges an Lebenhaltungskosten – dein Gehalt kann also bis auf den letzten Cent für aufregendere Sachen ausgegeben werden, wie Shoppen, Essen gehen, Kino, Clubs (wenn du schon über 21 bist) und natürlich das Wichtigste: Reisen!

Wenn das Reisen für dich – so wie für eigentlich alle Au Pairs – ein Hauptgrund ist, sich für dieses Programm in den USA zu bewerben, solltest du vorab in jedem Fall mit deiner Familie besprechen, welche Möglichkeiten du dazu haben wirst. In den meisten Familien wirst du nationale Feiertage frei haben und kannst lange Wochenenden für Städtetrips nutzen. Auch normal Wochenenden sind in den USA immer Zeit genug, um zumindest die Umgebung zu erkunden. In Schulferien verreisen die meisten Familien und bieten dir entweder an mitzukommen, oder geben dir eine bis zwei Wochen frei, in denen du das Land bereisen kannst. Wenn du beschließt die USA zu verlassen, kontaktiere vorher deinen Ansprechpartner der Organisation, um sicherzugehen, dass du keine Probleme mit dem Visum bekommen wirst.

Ich habe die Staaten das ganze Jahr über nicht verlassen, außer bei meine ersten Reise. Nach nur zwei Wochen sind zwei Freundinnen, die ich bei der Orientation kennengelernt habe, und ich am Memorial Weekend ein drei-tägige Bus-Tour von New York zu den Niagarafällen und nach Toronto gebucht, was Dank zahlreicher Busunternehmen in der New York-Area nicht sonderlich teuer war.

Washington DC-Kursfahrt mit der Drew University

Die meisten Wochenenden haben wir in New York verbracht – es hat seine Vorteile Au Pair in New York und Umgebung zu sein, denn diese Stadt hat einfach alles! Nichtsdestotrotz hat mich das Fernweh regelmäßig überkommen und ich musste Mal für ein Wochenende weg: Boston, Washington DC, Atlanic City, die Jersey Shore und Philadelphia sind perfekt für solche Kurztrips. Wenn mal keiner deiner Freunde mitkommen kann, weil es eines der Babysitting-Wochenenden ist, kein Problem: Wie in jedem anderen Land, ist es auch in den USA sehr leicht interessante neue Leute in Hostels kennenzulernen.

Sobald mehr Zeit zum Reisen war, wurde diese natürlich auch direkt genutzt. Über Weihnachten bin ich nach Chicago geflogen und in den Herbstferien nach Miami. Wie du siehst, gibt es also reichlich Möglichkeiten, Amerika zu entdecken, auch wenn es kein monatelanger USA-Trip in einem Rutsch ist.

Chicago Bean

Jetzt aber zu Vorteil Nr. 3 und dem absoluten TOP-ARGUMENT schlechthin: Der Reisemonat.

Der Reisemonat

Das Nonplusultra eines jeden Au Pair-Jahres ist der dreizehnte Monat, der Reisemonat. Wie bereits erwähnt, werden die Hin- und Rückflüge von den Familien gezahlt, jedoch hast du die Entscheidungskraft über das Datum deiner Rückreise. Den Visum erlaubt dir einen 13-monatigen Aufenthalt in den USA, was bedeutet, dass du nach Ende deines 12-monatigen Arbeitsverhältnisses als Au Pair einen weiteren Monat hast, um das Land zu bereisen. In manchen Fällen befreit dich die Familie frühzeitig von deinen Pflichten, da die meisten Kinder in den Sommerferien in Ferien-Camps fahren und es somit keine Arbeit mehr für dich gibt. In diesem Fall hast du zum Reisen sogar mehr als einen Monat Zeit. Es gibt auch hier wieder die Option der organisierten Bus-Tour durch bestimmte Teile der USA – aber jetzt mal ehrlich, wo bleibt denn da der Spaß? Das Beste an einer Reise ist doch die Planung und dann spontan die Pläne über den Haufen zu werfen und etwas komplett anderes zu machen – mit neugewonnen Freunden aus dem Hostel.

Eine meiner Schulfreundinnen hat eine Weltreise gemacht, während ich Au Pair in Amerika war und ihr letzter Stopp war Amerika – genau zu der Zeit, zu der ich mit meinen Au Pair-Pflichten fertig geworden bin. Also haben wir uns Mitte Juni 2012 am Flughafen in San Francisco/ Kalifornien getroffen, der Start unserer fünfwöchigen Tour durch Kalifornien, Nevada, Arizona und zum Abschluss noch mal Florida.

San Francisco – Yosemite Park – Santa Cruz – Santa Barbara – Big Sur – Los Angeles – Santa Monica – San Diego – Death Valley – Las Vegas – Grand Canyon – Phoenix – Miami – New York

Wir haben uns nach einigen Tagen in San Francisco ein Auto gemietet – was für unter 21-jährige zwar nicht unmöglich, jedoch recht teuer ist – und sind die West Coast heruntergefahren, bis nach Phoenix/Arizona, wo wir unser Auto zurückgegeben haben und rüber an die East Coast, nach Miami geflogen sind. Abgesehen von dem Start- und dem Endpunkt, haben wir jedoch nicht wirklich etwas geplant. Die Zwischenstopps haben sich ergeben, nachdem wir haufenweise Tipps von anderen Reisenden in den Hostels erhalten haben – Yosemite Park (ein Highlight, sogar für Leute, die Wandern eher weniger toll finden – so wie ich unsportlicher Mensch) hatten wir zu Beginn der Reise gar nicht auf dem Schirm und auch LA wäre nicht dasselbe gewesen, wenn wir nicht mit Hostel-Mitarbeitern und erfahreneren LA-Travellern gesprochen hätten!

Venice Beach, Los Angeles

Big Sur

Bei einem Blick auf die Landkarte der USA wird deutlich, dass ich nur einen kleinen Teil des Landes abgedeckt habe, trotzdem bin ich der Ansicht, dass mein Au Pair-Jahr in Amerika die ultimative Reiseerfahrung war! Ich konnte die für mich wichtigsten Orte des Landes besuchen und all das selbstständig finanzieren – obwohl ich gerade erst mein Abitur gemacht habe. Dieses Au Pair-Jahr war der Beginn meiner Reisesucht. Seit dem habe ich bereits in drei weiteren Ländern gelebt – in den VAE, Ägypten und England – und unzählige Länder bereist. Definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

Coverfoto: 📸 @giuliciu

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Über den Autor

Rayhana El-Mahgary

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One Response to “Au Pair in Amerika: Die ultimative Reiseerfahrung”

  1. Vielen Dank für deinen Bericht, er ist echt interessant 🙂 Darf ich noch ein paar Sachen fragen? Ich interessiere mich auch für das Educare Programm, habe aber etwas Bedenken wegen des Colleges, Von vielen „normalen“ AuPairs habe ich gelesen, dass man normale College Kurse eigentlich gar nicht machen kann, da die unglaublich teuer sind. Heißt, man macht sowas wie Travel Classes, wo man halt günstiger ECTS sammelt, muss aber trotzdem noch drauf zahlen. Ich würde allerdings lieber wirklich normale Kurse mit Amerikanern machen, nicht so Kurse, die extra auf AuPairs ausgelegt sind. Ist das irgendwie auch möglich oder kostet es wirklich so extrem viel? Und noch eine Frage zum Alter: Die meisten machen es vermutlich direkt nach dem Abitur und sind deshalb ca. 18/19 oder? Ich möchte es nach dem Studium machen und wäre dann 21, finde das zwar prinzipiell nicht schlimm aber vielleicht sind ja auch einige etwas ältere dabei? 🙂 Wäre toll wenn du antworten könntest. LG

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