Hoch oben im Norden: Das andere Thailand

Thailand ist ein wunderbares Land, da sind sich die meisten Menschen einig. Mit weißen Sandstränden, luxuriösen Resorts und leckerem Essen. Und dann ist dort auch noch alles so günstig, dass man sich auch als Normalverdiener so richtig viel gönnen kann. Für diese Annehmlichkeiten sehen die meisten Reisenden großzügig über Menschenmassen, überfüllte Strände und permanente Abzocke hinweg.

Wenn man für Thailands Süden nicht geschaffen ist

Die wenigen Ausnahmen, die die Gesellschaft von aufdringlichen Verkäufern, betrunkenen Backpackern und exzessiven Full-Moon-Partygängern nur schwer ertragen können, verschlägt es oft ans andere Ende des Landes: Ganz weit im Norden versteckt sich ein komplett anderes Thailand vor dem Massentourismus. Postkartenstrände, Full-Moon-Partys und Partyhostels sucht man hier vergeblich. Was man stattdessen findet, ist unberührte Natur, ursprüngliches Dorfleben und das Gefühl, in einem Land vor unserer Zeit gestrandet zu sein.

Wer Thailands schönen Norden kennenlernen möchte, braucht nicht viel Gepäck. Ein fahrbarer Untersatz ist allerdings Pflicht, sonst kommt man hier nicht weit. Ob Auto, Motorrad oder Roller ist dabei eigentlich egal. Allerdings sollte man in der Lage sein, sein Gefährt auf engen, kurvigen und extrem steil ansteigenden Straßen zu lenken. Mangels Motorradführerschein entscheiden wir uns für einen Roller – günstig und effizient. Wer sich nicht selbst auf die Straße wagen möchte, kann auch relativ günstig einen Fahrer buchen.

Chiang Rai: Der Gateway in den wildschönen Norden

Unseren Roadtrip durch Nordthailand starten wir in Chiang Rai. Die nördlichste Stadt des Landes liegt in der Berglandschaft des Goldenen Dreiecks, etwas erhoben auf 580 Metern. Chiang Rai beherbergt so viele kulturelle Schätze, dass man hier gut und gerne mehrere Wochen verbringen kann. Trotzdem wollen wir bald weiter – weg vom Tourismus und rein ins Abenteuer.

Mit unserem Roller starten wir in Richtung Norden. Die Landschaft wird grüner, die Menschen weniger. Wir fahren an endlosen, dunkelgrünen Teefeldern vorbei. Zwischendurch halten wir an und probieren uns durch verschiedene Sorten, die von den Bauern direkt vor Ort aufgebrüht werden. Unser Kopf schreit: Ihr habt keinen Platz mehr im Gepäck. Wir schalten ihn aus und decken uns mit Ceylon Tee für die nächsten fünf Jahre ein.

Ein Roadtrip an die Grenze von Myanmar

Wir fahren und fahren, durch endlose Weiten und vergessene Dörfer. Zwischendurch machen wir uns Sorgen um unsere Roller, die auf den steilen Serpentinen ächzen und stöhnen. Aber immer wenn wir kurz vor dem Aufgeben sind, passiert ein kleines Wunder: Wir sehen bunte Tempel, die auf den Berggipfeln in der Abendsonne leuchten. Wir begegnen einer Prozession von Mönchen, die uns Blumen in die Hände legen. Und manchmal ist es auch ein wunderbarer Aussichtspunkt der uns vor Augen führt, dass wir noch längst nicht alles gesehen haben.

Besonders berührt uns der Ort Doi Mae Salong (Santikhiri). Hier leben vor allem Kuomintang-Chinesen, deren tragische Vergangenheit allgegenwärtig ist. Nach der Niederlage gegen Mao Tse Tung wurde Chiang Kai-sheks Soldaten die Rückreise nach China untersagt. Aus der Not heraus gründeten sie deshalb Doi Mae Salong. Bis heute leben ihre Nachkommen unter schwierigen Bedingungen in dem Bergdorf.

Sie sprechen kaum Englisch und auch unsere Thai-Kenntnisse bewegen sich auf rudimentärem Niveau. Trotzdem unterhalten wir uns mit Händen und Füßen und haben am Ende das Gefühl, eine Menge über das Dorf und seine Bewohner gelernt zu haben. Ein bisschen fühlt es sich an, als wären wir in China gelandet – die Kultur ist wirklich allgegenwärtig.

Die Suche nach dem richtigen Hostel – wenn Unterkünfte Mangelware sind

Chiang Rai ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für Tagesausflüge in den Norden. Von hier aus konnten wir das Goldene Dreieck, die Teeplantagen, Doi Mae Salong und die vielen schönen Tempel im Umland erreichen. Im Vergleich zu den touristischeren Städten wie Chiang Mai oder Bangkok sind Unterkünfte hier allerdings eher Mangelware.

Nach langem Suchen haben wir uns das Chiang Rai Hotel ausgesucht und waren mit unserer Entscheidung sehr zufrieden. Ein großes, blitzsauberes Doppelzimmer, Klimaanlage, Warmwasserdusche, Fernseher und sogar Haartrockner und Handtücher – was will man als Backpacker mehr? Morgens gab es wahlweise asiatisches oder westliches Frühstück und die netten Angestellten haben uns jeden Tag kostenloses Wasser aufs Zimmer gebracht. Auch von der Lage waren wir begeistert: Die Unterkunft liegt zentral im Stadtzentrum und zu Fuß nur ein paar Minuten von Cafés, Restaurants und dem berühmten Night Bazaar entfernt.

Was bleibt, sind Reiseerinnerungen der anderen Art

Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Reisen, aber bei dieser ist es irgendwie anders. Ich bin mir oft nicht sicher, ob alles wirklich so passiert ist oder ob mir meine Fantasie nicht doch einen Streich gespielt hat. Dann gehe ich in meine kleine Küche und sehe die bunten Teepäckchen, die auf unserem Roadtrip haufenweise in den Rucksäcken gelandet sind. Ich bereite mir eine Tasse Ceylon Tee zu und setze mich auf den Balkon. Weiter unten mäht der Hausmeister den Rasen. Aber wenn man nicht ganz so genau hinsieht, könnte er auch ein Teebauer sein. Auf einem dunkelgrünen Feld, irgendwo in den Bergen von Nordthailand.

Über die Autorin:

Franzis größte Leidenschaften sind Sport und Reisen. Die Münchnerin liebt es, neue Länder zu bereisen und in fremde Kulturen einzutauchen: „Nach dem Studium hatte ich das große Glück, fast eineinhalb Jahre ausschließlich dem Reisen widmen zu können. Mein Fernweh ist dadurch aber nur noch größer geworden.“ Franzi arbeitet als Online-Redakteurin und Flugbegleiterin. Folgt ihren Abenteuern auf ihrem Blog und auf Instagram.

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