Ich liebe dich, aber das Reisen ist meine Seelenverwandte – Ein offener Brief
Liebe Angehörige: Ein offener Brief an diejenigen, die wir zurücklassen…
Als ich euch sagte, dass ich gehen würde, wusste ich noch nicht, wohin mich mein Weg führen würde. Ich wusste nur, dass ich gehen musste.
Ihr habt mich mit einem amüsierten Lächeln und Traurigkeit in den Augen angesehen. Mein aufgeregtes Geschwafel darüber, dass ich aus meiner Komfortzone ausbrechen und mein Leben leben müsse, hat euch verwirrt. War das Leben hier nicht schon gut?
Ich nannte euch eine Million Gründe, während ich versuchte, dieses Kribbeln in meinem Bauch zu rechtfertigen. Mein Herz sehnte sich nach Neuem, nach Ländern, die ich noch nie gesehen hatte, und nach Menschen, die ich noch nie getroffen hatte. Es war nicht leicht, das zu erklären. Ich fühlte mich egoistisch. Vielleicht bin ich egoistisch.
Ich sprach so sachkundig wie möglich über die thailändischen Inseln, um die herum ich tauchen lernen wollte, und über die Berge, die ich besteigen wollte. Aber ich hatte keine Ahnung. Das konntest du sehen, und ich weiß, dass es dir Sorgen bereitete. Du fragtest mich, ob das wirklich das sei, was ich wollte. Ich wusste es nicht, aber ich sagte trotzdem Ja.
Wir redeten, aber ich hatte mich bereits entschieden. Du hast mich gefragt, wie ich das machen wollte, und hast mich über Busse, Züge und Budgets schwadronieren lassen. Ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung, wie ich das überstehen sollte. Ich hatte so viele Ängste: dass ich nie wieder mit einer anderen Seele sprechen würde, dass ich krank und allein sein würde, dass ich es einfach nicht schaffen würde. Vielleicht würde ich ein Jahr lang in einem Hostel verkrochen sein und inspirierende Bilder teilen, die ich bei Google gefunden hatte.
Trotz all deiner Ängste hast du mich trotzdem unterstützt. Deine Worte der Ermutigung und Liebe gaben mir grünes Licht, dem Abenteuer nachzujagen. Ohne euch wäre meine Reise nie zustande gekommen, dafür bin ich dankbar.
Wir weinten, wir umarmten uns, wir schrieben uns Briefe und versprachen, in Kontakt zu bleiben. Schon damals wussten wir tief im Inneren, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.
Aber ich bin trotzdem aufgebrochen.
Ich habe gelernt, dass ich es schaffen kann. Reisen ist ein Privileg, für das ich unendlich dankbar bin. All diese Ängste sind verschwunden, und das pure Staunen und die Freiheit, die ich jeden einzelnen Tag spüre, sind das, wonach ich gestrebt habe.
Ich weiß, dass ich mich verändert habe, und ich konnte nichts dagegen tun. Ich bin immer noch ich selbst, aber nun ja, ich bin auch anders. Ich liebe mein Leben auf Reisen und habe gelernt, zufrieden und im Reinen mit mir zu sein. Ich beneide dich um deine innere Gelassenheit, aber bitte verstehe, dass ich weggehen musste, um meine eigene zu finden.
Ich liebe dich, aber ich liebe das Reisen auch.
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📷: @ic.theworld