Die Farbe aus dem All – auf der Suche nach den Polarlicht
Das Polarlicht ist eigentlich eine Lüge. Man kann es nämlich nicht nur an dem Polen sehen. Und die Bezeichnung „Nordlicht“ stimmt auch nur halb. Denn auch auf der Südhalbkugel kannst Du das imposante Lichtspektakel beobachten. Aber was stimmt denn nun in Sachen Polarlicht? Das verraten wir Dir an dieser Stelle.

Aber zurück zum Anfang: Polarlichter sind Leuchterscheinungen, die entstehen, wenn Sonnenwinde auf die Atmosphäre der Erde treffen. Der so genannte Sonnenwind ist ein Strom geladener Teilchen, der von der Sonne in alle Richtungen abgegeben und vom Magnetfeld der Erde in Richtung der Pole gelenkt wird. In Abhängigkeit von Jahreszeit und Stärke des Sonnenwindes entstehen so in den Gebieten ab etwa 66,5° nördlicher und südlicher Breite die Polarlichter, wenn die geladenen Teilchen auf andere Teilchen – zum Beispiel Sauerstoff – in der Erdatmosphäre treffen.
Das optische Spektakel ist wohl mit nichts anderem zu vergleichen. In den besten Fällen ziehen sich grün und rot leuchtende Streifen in vielen Windungen über den Himmel. In seltenen Fällen – bei sehr hoher Sonnenaktivität – färben sich die Lichter auch violett und blau. Eher diffuse Flächen und ringförmige Strahlen sind auch schon beobachtet worden. Die genaue Form der Polarlichter hängt nicht nur von der Stärke des Sonnenwindes, sondern auch von der Zusammensetzung der Atmosphäre ab.

Während des Mittelalters galten Polarlichter oft als schlechte Omen, ähnlich wie Kometen. Dass in Mitteleuropa die meisten der selten auftretenden Lichter blutrot sind, dürfte auch dazu beigetragen haben. Die Wikinger hatten weniger Angst. Für sie bedeuteten die Polarlichter, dass eine große Schlacht stattgefunden hat in einem anderen Teil der Welt und nun die Walküren über den Himmel ritten, um an der Tafel des Gottes Odin zu speisen und zu feiern. Die ersten wissenschaftlichen Erklärungen lieferte im 18. Jahrhundert der britische Astronom Edmund Halley, der auch den Zusammenhang zwischen den Polarlichtern und dem Magnetfeld der Erde erkannte.
Zwar gibt es auch Fotos von Nordlichtern über Berlin, aber die besten Chancen, das Naturschauspiel selbst zu beobachten, hast Du zweifellos weiter nördlich. Island ist nicht nur wegen seiner Lage knapp unter dem Polarkreis geeignet, sondern auch, weil hier die Luft- und Lichtverschmutzung wesentlich geringer ist als in anderen Teilen der Welt. Zudem kommt es allerdings auch auf die Jahreszeit an. In den Sommermonaten wird es auf Island kaum richtig Nacht – schlechte Voraussetzungen für Polarlichter. Am besten eignen sich die Monate März, September und Oktober. Eine Faustregel in diesen Monaten ist: Bei klarem Himmel kannst Du in Reykjavik in etwa neun von zehn Nächten Nordlichter sehen, im Norden der Insel sogar in jeder Nacht.
Andere Orte, an denen Du gute Chancen auf Polarlichter hast, sind:
• Der Norden Skandinaviens, zum Beispiel Tromsø und Svalbard in Norwegen; Kiruna in Schweden; oder Finnisch-Lappland
• Die Färöer Inseln, die allerdings ein bisschen weiter südlich liegen und daher seltener Polarlichter sehen
• Alaska, nördlich von Fairbanks und Anchorage
• Kanada, am Yukon oder in der Gegend um den Lake Superior in Ontario
• Die gesamte Insel Grönland
Von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus ist allerdings Island das am einfachsten zu erreichende Reiseziel, an dem die Aurora borealis – wie die nördlichen Polarlichter wissenschaftlich genannt werden – häufig zu beobachten ist.

Flüge nach Island gibt es von diversen deutschen Fluggesellschaften schon ab unter 100 Euro, wenn Du Dich rechtzeitig umschaust. Und wir haben eine ganze Reihe an tollen und ausgezeichneten Hostels in Reykjavik, aber auch im Norden des Landes.
Danke an Moyan Brenn, Brian Tomlinson und Image Editor für die Bilder von Flickr.

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