Nachhaltigkeitsgeschichten: Stolz, Heimat und Sinn – Wie „The Cool Hostel“ einen queeren Raum geschaffen hat, der fest in der Gemeinschaft verwurzelt ist
„The Cool Hostel – hier kannst du ganz du selbst sein.“
Der Pride-Monat ist eine Zeit, in der die Sichtbarkeit, Inklusion und Vielfalt der LGBTQ-Gemeinschaft gefeiert werden.
Doch in Coquimbo im Norden Chiles setzt ein Hostel genau das um – nicht nur für einen Moment, sondern jeden einzelnen Tag.
Wir haben Cris Sankari getroffen, Mitbegründer von „The Cool Hostel“, dem ersten queeren Hostel in der Region, um zu erfahren, wie aus einer von Reisenden getragenen Idee ein Ort entstand, der auf Verbundenheit und Fürsorge basiert.
Vom ständigen Reisen zum Nachhausekommen
Bevor sie das Hostel eröffneten, reisten Cris und ihre Geschäftspartnerin jahrelang als digitale Nomadinnen um die Welt.
Doch nach vielen Jahren im Homeoffice stellten sie fest, dass ihnen etwas fehlte: ein Gefühl der Zugehörigkeit.
„Wir waren ständig unterwegs, reisten ununterbrochen und waren von Menschen aus aller Welt umgeben, aber auf eine Art und Weise, die sich immer vorübergehend und gehetzt anfühlte.“
So wie sich ihr Lebensstil weiterentwickelte, änderten sich auch ihre Bedürfnisse.
„Wir hatten nicht mehr die gleiche Energie für das Nachtleben, und es wurde schwieriger, LGBTQ-Räume zu finden, die tagsüber geöffnet waren – Räume, die für echte Verbundenheit konzipiert waren.“
Als sie nach Coquimbo zurückkehrten, um wieder Kontakt zu Freunden und Familie aufzunehmen, stellten sie fest, dass es auch dort keinen solchen Ort gab – einen geselligen, einladenden, queerenfreundlichen und bewusst gestalteten Ort.
Also schufen sie ihn selbst.
Etwas schaffen, was es noch nicht gab
Das Cool Hostel entstand nicht aus einem traditionellen Geschäftsplan heraus, sondern aus einem Bedürfnis.
„Ein Ort, der all das vereint, was wir uns schon immer gewünscht hatten, und dervon all den Erfahrungen geprägt ist, die wir im Laufe der Jahre auf unseren Reisen gesammelt hatten.“
Als hinter einem Familienrestaurant ein leerstehendes Grundstück frei wurde, fiel die Entscheidung schnell.
„Es fühlte sich an wie: jetzt oder nie.“
Was folgte, war ein Bauvorhaben, bei dem wir als Gründerinnen die Herausforderungen des Bauwesens und des Projektmanagements meisterten und den Raum von Grund auf gestalteten.
Alles mit einem Ziel vor Augen: ein Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen, sie selbst zu sein, und an dem Verbindungen ganz natürlich und ohne Druck entstehen.
Mehr als ein Label oder Symbol


Für The Cool Hostel ist LGBTQ-Sein keine Frage der Dekoration oder des Brandings; es geht um die Menschen und darum, wie sich der Raum anfühlt.
Und es beginnt damit, eine Frage auszuräumen, die viele Reisende mit sich herumtragen:
Bin ich hier wirklich willkommen?
Die Antwort steckt in jedem Erlebnis:
🤝 Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Empathie und Offenheit ausgewählt wurden
☀️ Gemeinschaftsbereiche, die für Begegnungen konzipiert sind
🎨 Von der Community organisierte Veranstaltungen (Yoga, Live-Musik, Malgruppen usw.)
Teilweise inspiriert von Cris’ Zeit in New York, wo queere Identität fest im Alltag verankert war, schafft das Hostel genau dieses Gefühl von Leichtigkeit und Zugehörigkeit.
Im Mittelpunkt steht dabei ein zentraler (und sehr beliebter) Raum: eine Kombination aus Coworking- und Gemeinschaftsbereich.
Tagsüber:
💻 Remote-Arbeit
🍳 Gemeinschaftsküchen
☕ Entspannte Gespräche bei einer Tasse Kaffee
Abends:
🎶 Live-Musik
🌈 Queer-Events
🎨 Workshops und Zusammenkünfte
Hier entsteht die Magie – Menschen kommen zusammen, ohne dass Interaktionen erzwungen werden.
Pride in der Praxis
Inklusivität ist hier nicht in Regeln festgeschrieben, sondern wird durch die Kultur und die Menschen dahinter gelebt.
Bewusste zwischenmenschliche Interaktionen, darunter:
🤝 Proaktive Vernetzung der Gäste
💛 Gäste ohne Druck unterstützen
„Wenn jemand alleine ankommt, stellen wir ihn anderen vor. Wenn sich jemand unwohl oder isoliert fühlt, nehmen wir das wahr.“
Das Ergebnis: ein Ort, der sich sicher, entspannt und wirklich einladend anfühlt.
Das Hostel ist stolz darauf, einen Schwerpunkt auf die Queer-Community zu legen, und kommuniziert dies offen. Es heißt auch Gäste willkommen, die nicht zur LGBTQ-Community gehören,aber den Raum und das Umfeld des Hostels respektieren.
„Wir machen sehr deutlich, wer wir sind, und die Menschen passen sich ganz natürlich dieser Energie an.“
Manchmal führt das zu stillen Momenten der Besinnung.
„Die positivsten Veränderungen entstehen einfach dadurch, dass wir gemeinsam Raum, Gespräche und Erfahrungen teilen.“
Nachhaltigkeit, verwurzelt in der Gemeinschaft
Im „The Cool Hostel“ geht Nachhaltigkeit über die Auswirkungen auf die Umwelt hinaus.
Es geht darum, etwas aufzubauen, das Menschen langfristig unterstützt.
Dies zeigt sich durch:
🎨 Unterstützung lokaler Künstler, Kreativer und Unternehmen
💬 Ausrichtung von gemeinschaftsorientierten Workshops und Veranstaltungen
🧘 Schaffung von Raum für Wohlbefinden (Yoga, gesellige Aktivitäten)
🧠 Emotionale Unterstützung, einschließlich eines psychologischen Beratungsraums vor Ort
🥗 Angebot pflanzlicher, auf das Wohlbefinden ausgerichteter Speisen
„Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen, Ideen, Kunst, lokale Kultur und Wohlbefinden nebeneinander existieren und sich gegenseitig unterstützen können.“
Sie zeigt sich auch in alltäglichen Momenten:
🌱 Kleine Gesten der Fürsorge seitens des Personals
🌍 Offene, inklusive Umgebungen
🤝 Zugängliche, menschliche Beziehungen zwischen Gästen und Personal
Herausforderungen – und warum sie wichtig sind

Der Betrieb eines unabhängigen, auf die Queer-Szene ausgerichteten Hostels bringt Herausforderungen mit sich.
Glücklicherweise geht es in Chile, wo die Akzeptanz gegenüber der LGBTQ-Community relativ hoch ist, bei den Herausforderungen weniger um direkte Diskriminierung als vielmehr um betriebliche Aspekte: die Saisonabhängigkeit eines Reiseziels.
Um in der Nebensaison zwischen April und August, wenn der Tourismus naturgemäß nachlässt, sichtbar zu bleiben, muss mehr Arbeit investiert werden, um Reisenden zu zeigen, dass es immer noch eine großartige Zeit ist, Coquimbo zu besuchen – mit dem zusätzlichen Vorteil deutlich niedrigerer Preise.
Eine weitere Herausforderung ist der Umgang mit den Erwartungen der Gäste, die sehr unterschiedlich sein können. Manche Gäste erwarten eine ständige Party-Atmosphäre, während andere sich ein Angebot wünschen, das sich ausschließlich an der queeren Identität orientiert.
In Wirklichkeit liegt „The Cool Hostel“ genau dazwischen: ein Ort, der für Begegnungen konzipiert und für alle Arten von Reisenden zugänglich ist.
Begrenzte Ressourcen können, wie bei vielen unabhängigen Projekten, manchmal ebenfalls eine Herausforderung darstellen. Doch anstatt das Wachstum und die Entwicklung des Hostels einzuschränken, haben sie dazu beigetragen, dessen Persönlichkeit und das starke Gemeinschaftsgefühl zu prägen:
Mehr Zusammenarbeit.
Mehr Menschlichkeit.
Mehr Gemeinschaftsgeist.
Die Wirkung
Die bedeutungsvollsten Momente sind oft ungeplant.
Cris erinnert sich an einen Gast, der seinen Aufenthalt von einer Nacht verlängerte, nachdem er etwas Unerwartetes entdeckt hatte:
„Er sagte, er wolle nicht abreisen, weil er das Hostel als einen so friedlichen, heilenden Ort empfunden habe.“
Was diesen Moment so besonders machte, war nicht nur, dass er seinen Aufenthalt genoss, sondern dass der Ort ihm offenbar ein Gefühl der Ruhe und Verbundenheit vermittelte, das er nicht erwartet hatte.
Eine willkommene Erinnerung daran, dass Gastfreundschaft weit über die bloße Bereitstellung einer Unterkunft hinausgehen kann; sie kann einen tiefgreifenden und dauerhaften Einfluss auf das Leben eines Menschen haben.
Von der Gemeinschaft, für die Gemeinschaft: Räume schaffen, in denen jeder willkommen ist – heute und jeden Tag 🌈
Wenn ihr Coquimbo besucht, hier sind ein paar lokale Empfehlungen von Cris:
🌌 Valle del Elqui – wegen seiner weltberühmten Sternwarten, die für einen der klarsten Himmel der Welt bekannt sind. Beobachte die Sterne und sieh die Milchstraße in unglaublicher Klarheit – ein Erlebnis, das du so schnell nicht vergessen wirst.
🍇 Pisco-Brennereien & Weingüter – entdecken Sie eine Region, die tief in der Wein- und Pisco-Kultur verwurzelt ist, mit wunderschönen Weingütern, Verkostungen und einigen der bedeutendsten Pisco-Produzenten Chiles. Natur, lokale Tradition und „Slow Travel“ stehen hier im Mittelpunkt.
🐋 Wal- und Pinguin-Touren – erlebe die unglaubliche Unterwasserwelt Nordchiles hautnah.
🌅 Pueblito Peñuelas – direkt vor dem Hostel liegt eine der bekanntesten Küstengegend in Coquimbo. Ein Strandviertel voller lokaler Restaurants, Cafés, Bars, Kunsthandwerksläden, Live-Musik und Meerblick.
Schalte einen Gang zurück und lass dich vom Tempo der Region mitreißen – lerne die Einheimischen kennen und genieße den Sonnenuntergang. Oder wenn du etwas Abenteuerlustigeres suchst, fahr ein Stück weiter und probier das Sandboarden in der Nähe aus.
Hier ist für jeden Reisetyp etwas dabei.